Gruscheln
Du willst grüßen und kuscheln gleichzeitig? Kein Problem mehr, im Zeitalter der Wortneuschöpfungen, denn von nun an kannst du jeden gruscheln.
Er kann, sie kann, es kann: gruscheln – die neue Form jemandem zu sagen, dass man ihn mag. Dazu braucht man weder ein poetisches Genie, noch ein überzeugter Romantiker zu sein, denn Gruscheln kann jeder, der Mitglied bei StudiVZ ist. So verliebt sich die heutige Internet-Generation. Blumen, Liebesbriefe, Kekse – alles Schnee von gestern, heute werden diese nur noch virtuell verschickt, ist zumindest nicht so teuer und schneller geht das auch noch.
Gruscheln – wer hat`s erfunden?
Als Funktion ist der Gruschel-Button erstmals bei StudiVZ (mittlerweile auch von MeinVZ und SchülerVZ übernommen) aufgetaucht, sie gelten daher als Gründervater dieses Wortes. Will man jemandem zeigen, dass man an ihn denkt, vermisst oder interessant findet, kann man ihn gruscheln. Das Anklingeln per Computer sozusagen, ein Zeichen der Zuneigung ohne dies in Worte fassen zu müssen. Denn gruscheln kann man auch, obwohl man nicht miteinander befreundet ist, deshalb gilt es als das Flirt-Tool des Verzeichnisses, das jedem User zur Verfügung steht. Mittlerweile gibt es auch schon die ersten StudiVZ-Paare und in Zukunft wird dieser Trend mit Sicherheit steigen, denn immer mehr Singles treffen sich heutzutage über das Internet.
Gruscheln, Verlieben, Heiraten?
Die Zielgruppen der sozialen Netzwerke sind Jugendliche und junge Erwachsene: Klar, dass man gerade in diesem Alter Interesse am anderen Geschlecht entwickelt. Da wird dann schnell mal bei den Freunden der Freunde oder in den verschiedenen Gruppen gespickt und Kontakt aufgenommen. Das fällt natürlich leichter als jemanden anzusprechen. So kann man über das Internet Gruscheln, Chatten und Flirten was das Zeug hält, immer mehr Bekanntschaften und Beziehungen entwickeln sich auf diesem Wege.
Gruscheln – deutsche Sprache, coole Sprache
Googlen, Twittern, Chatten oder eben Gruscheln immer mehr Wörter der Computersprache schleichen sich in unseren alltäglichen Sprachgebrauch ein. Vor allem die jüngeren Menschen identifizieren sich immer mehr mit der PC-Sprache und grenzen sich somit von der älteren Generation, für die der PC noch kein zentrales Medium zum ‚social networken’ darstellt, ab. Grenzen der Wortneuschöpfungen sind dabei keine gesetzt, alles was cool klingt ist erlaubt. Und ob das nun lol, grins, I like oder eben Gruscheln ist, wenigstens Kreativität ist den jungen Leuten nicht abzusprechen, wenn sie doch sonst schon als kognitive Faulpelze degradiert werden.

